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Beweissicheres elektronisches Laborbuch

Über uns

Dir. u. Prof. Dr. Siegfried Hackel

Herr Hackel hat im Bereich der experimentellen Hochenergiephysik sein Diplom in Physik abgelegt, bevor er 1993 im Bereich der quantenmechanischen Berechnung und Modellierung von Atomen und Molekülen promovierte. Von 1994 bis 1998 war er Leiter der Datenverarbeitungsstelle der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft Braunschweig – Völkenrode (jetzt: Johan Heinrich von Thünen – Institut). Ab 1998 war er Leiter des Hochschulrechenzentrums (HRZ) der Universität Bielefeld, bevor er im Jahr 2000 zur Physikalisch Technischen Bundesanstalt (PTB) wechselte und dort heute den Fachbereich Informationstechnologie leitet und wissenschaftlich tätig ist. Während der gesamten Zeit konnte er tiefgehende Kenntnisse im Bereich des Umgangs mit dem von ihm zu bearbeitenden Forschungsprimärdaten bzw. dem Umgang mit Forschungsprimärdaten anderer sammeln. In seinen Aufgabenbereich fällt die Aufsicht über die beiden Rechenzentren der PTB, die als Ausfallrechenzentren konzipiert und betrieben werden und dabei über eine vom DFN-Verein zur Verfügung gestellte 1 Gbit/s Ethernetleitung miteinander gekoppelt sind.

 

In dem durch die Initiative BundOnline 2005 geförderten und vom Antragsteller initiierten und verantwortlich betreuten Einer-für-Alle-Projekt ArchiSafe wurden die Grundlagen für die rechtssichere Langzeitspeicherung qualifiziert elektronisch signierter digitaler Dokumente entwickelt. Aus ArchiSafe heraus wurde bereits im Jahr 2005 ein Prototyp entwickelt, der in der Lage ist, mit einer qualifizierten elektronischen Signatur versehene Dokumente zeitlich praktisch unbegrenzt rechtssicher zu speichern. Obwohl es weder ein einheitliches Gesetz noch einen einheitlichen Standard zur Aufbewahrung von Dokumenten gibt, können die rechtlichen, funktionalen und organisatorisch-technischen Anforderungen auf sechs Grundanforderungen zusammengefasst werden: Vollständigkeit, Lesbarkeit, Integrität, Authentizität, Verkehrsfähigkeit, Verfügbarkeit. Diese sechs Grundforderungen gelten unstrittig auch für qualifiziert elektronisch signierte digitale Dokumente. ArchiSafe erfüllt alle sechs Grundforderungen.  Bei ArchiSafe ist das führende Dokument ein qualifiziert signiertes PDF/A-Dokument. Dieses Dokument wird in einen XML-Container mit Meta- und Signaturdaten eingebettet. Als Ablagemedien können alle wiederbeschreibbaren Medien zum Einsatz kommen, die im Vergleich zu den bisher häufig im Umfeld der Archivierung anzutreffenden WORM-Medien einen sehr preiswerten Zugriff auf die Daten erlauben, da sie WORM-Medien obsolet machen. Das liegt daran, dass jede Form der Manipulation nachweisbar ist. Es ist sogar möglich, Daten nachweisbar richtig zu löschen, was auf WORM-Medien nicht realisiert werden kann. Die sichere Aufbewahrung der Dokumente ist nur noch vom Aufwand und damit von der Definition von Service-Level-Agreements abhängig. Die Speicherung der Daten in einer professionellen Rechenzentrumsumgebung bietet eine sehr hohe Sicherheit. Aber auch ganz andere Technologien wie z.B. die bitweise Speicherung von Daten als Pixel auf Mikrofilmen „für die Ewigkeit“ sind möglich. Die Ergebnisse des Projektes ArchiSafe sind frei verfügbar. Das erstellte ArchiSafe-Schutzprofil (Protection Profile) nach Common Criteria sowie eine technische Richtlinie wird vom BSI überprüft. Damit ist es noch im Jahr 2008 möglich, am Markt Produkte zu kaufen, die nach entsprechender Zertifizierung ArchiSafe-konform arbeiten. Somit sind die wichtigen Fragen der Langzeitprüfbarkeit elektronischer Signaturen für einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren und der begrenzten Prüfbarkeit selbst akkreditierter Zertifikate durch ArchiSafe gelöst worden.

Das Projekt ArchiSafe hat beim 6. eGovernment-Wettbewerb des Bundesministeriums des Inneren in der Kategorie „Innovativster Technikeinsatz“ einen der drei ersten Plätze belegt.

 

 

Prof. Dr. Neumair

Herr Prof. Neumair leitete seit 2003 die GWDG, deren wichtigste Arbeiten in den Bereichen Datenmanagement und LZA im Folgenden kurz skizziert werden. Seit dem 01.07.2010 ist Herr Prof. Dr. Neumair in der Position als technisch-wissenschaftlicher Direktor am SCC (Steinbuch Centre for Computing) tätig. Die GWDG ist an den folgenden beiden BMBF-Projekten beteiligt:

kopal – Kooperativer Aufbau eines Langzeitarchivs

digitaler InformationenGegenstand des Projekts kopal ist der Aufbau einer technischen und organisatorischen Lösung, um die Langzeitverfügbarkeit elektronischer Publikationen zu sichern. Projektpartner der GWDG sind die Deutsche Nationalbibliothek, die SUB Göttingen und IBM. Digitale Ressourcen sind als Bestandteil unserer kulturellen Überlieferung dauerhaft zu erhalten und heute wie in Zukunft zugänglich zu halten. Die langfristige Verfügbarkeit digitaler Ressourcen ist ein wesentlicher Faktor für die Konkurrenzfähigkeit des Bildungs- und Wissenschaftssystems und der Wirtschaft in Deutschland. Derzeit werden in ersten Ansätzen von entwickelten Ländern weltweit Depotsysteme für digitale Ressourcen zu dem Zweck geschaffen, Vorkehrungen für deren dauerhaften Erhalt zu treffen.

Daher wird in kopal eine nachnutzbare, kooperative Lösung für eine konkrete Implementierung eines solchen Depotsystems entwickelt. Vor allem der transparente Zugang, der Zugriff der Wissenschaftler, Studierenden und der Informationsnutzenden auf die langzeitarchivierten.

digitalen Informationen wird als integrierter Dienst der Informationsbeschaffung und Lieferung verstanden und umgesetzt.

nestor – Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung digitaler Ressourcen

Ziel des Projekts ist der Aufbau eines Kompetenznetzwerks zur LZA und Langzeitverfügbarkeit digitaler Quellen für Deutschland in einer dauerhaften Organisationsform sowie die Abstimmung über die Übernahme von Daueraufgaben.

Weiterhin arbeitet die GWDG derzeit zusammen mit der Universität Göttingen und der Universitätsmedizin Göttingen an dem von der DFG geförderten Projekt KoLaWiss – Kooperative Langzeitarchivierung für Wissenschaftsstandorte.

Als IT-Dienstleister der MPG hat die GWDG gemeinsam mit dem RZ Garching vom Präsidenten der MPG den Auftrag erhalten, eine LZA auf der Basis einer zuverlässigen Speicherung der Datenbestände (Bitstream Preservation) sicherzustellen. Im Rahmen dieses Auftrags führt die GWDG nach 2007 im Jahr 2008 bereits den 2. Workshop zur LZA mit internationaler Beteiligung als Teil der MPG-eScience-Seminare durch.

Die GWDG ist zusammen mit dem MPI für biophysikalische Chemie an dem von der EU geförderten FP6-Projekt EURExpress beteiligt, dessen Ziel die Erstellung eines Expressionsatlasses des Genoms der Maus ist. Dabei entstehen europaweit an verschiedenen Standorten große Datenmengen (ca. 50 Terabyte), die verwaltet und im Internet präsentiert werden müssen (www.genepaint.org). Nach Abschluss des Projekts Ende 2008 müssen Primärdaten und Metadaten in die LZA überführt und auf unbestimmte Zeit aufbewahrt werden.

 

 

Prof. Dr. Roßnagel

Herr Prof. Roßnagel leitet seit 1986 die Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung (provet), mit der er interdisziplinäre Forschungsprojekte der Technikbewertung und Technikgestaltung sowie der technikadäquaten Rechtsfortbildung durchführt. Für diese Technikgestaltung wurde er 1993 mit dem Forschungspreis der Alcatel SEL Stiftung „Technische Kommunikation“ ausgezeichnet. Seit 1993 leitet er das Fachgebiet „Öffentliches Recht mit dem Schwerpunkt Recht der Technik und des Umweltschutzes“ an der Universität Kassel. Seit 2000 ist er wissenschaftlicher Direktor des Instituts für europäisches Medienrecht (EMR) in Saarbrücken und seit 2005 des Forschungszentrums für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG) an der Universität Kassel. 2007 wurde der Antragsteller von der Gesellschaft für Informatik für seine wissenschaftlichen Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Recht und Informatik zum Fellow ernannt.

Der Antragsteller hat zusammen mit anderen in dem BMWi-Projekt „Beweiskräftige und sichere Langzeitarchivierung digital signierter Dokumente (ArchiSig)“ (2002-2004) das Konzept erarbeitet, nach dem die PTB ihr Verfahren ArchiSafe durchführt. Auf der Grundlage dieser Arbeiten hat er 2005 die erste Veröffentlichung vorgelegt, in der die Rechtssicherheit elektronischer Signaturen bei der beweiskräftigen elektronischen Archivierung umfassend untersucht wird. Elektronische Signaturen sind außerdem Gegenstand zahlreicher weiterer Forschungsprojekte im Bereich des elektronischen – insbesondere auch mobilen – Geschäftsverkehrs (z.B. BMBF-Projekt „Migrationskompetenz als Schlüsselfaktor der Ökonomie des 21. Jahrhunderts (MIK21)“, 2004-2007) und beim Einsatz mobiler Agenten (BMWi-Projekt „Mulimedialer Arbeitsplatz der Zukunft (MAP)“ 2000-2003, DFG-Projekt „Rechtsgemäße Gestaltung eines agentenbasierten Marktplatzes für Bauleistungen (SireaM)“ 2002-2005). Den Themenkomplex der elektronischen LZA hatten weiterhin das Ende 2007 abgeschlossene BMWi-Projekt „Transformation von Dokumenten (TransiDoc)“ sowie die Teilprojekte „Anforderungen, Trends und Empfehlungen der langfristigen Aufbewahrung elektronischer Dokumenten (Atla§)“ und „Scannen von Papierdokumenten – Anforderungen, Trends und Empfehlungen (Scate)“ zum Gegenstand.

Zuvor haben Mitarbeiter der Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung (provet) in Dissertationen und insbesondere Fragen elektronischer Signaturen im Bezug auf die Beweissicherheit elektronisch signierter Dokumente oder in unterschiedlichen Anwendungskontexten sowie der elektronischen LZA untersucht.

Der Antragsteller hat außerdem ein Rechtsgutachten zu datenschutzrechtlichen Fragestellungen der Verwendung von Patientendaten für die Zwecke der medizinischen Forschung im Auftrag der Telematikplattform für medizinische Forschung (TMF) erstellt .

Daneben hat der Antragsteller grundlegende dogmatische Arbeiten zum Signaturrecht verfasst. Hervorzuheben sind insbesondere die Kommentierung des Signaturgesetzes und der Signaturverordnung im von ihm herausgegebenen „Kommentar zum Informations- und Kommunikationsdienste-Gesetz und Mediendienste-Staatsvertrag – Recht der Multimediadienste“ und dem Kapitel zum Datenschutz im Signaturverfahren im „Handbuch Datenschutzrecht“, dessen Herausgeber er ebenfalls ist.

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Projektpartner: